Die Debatte um die Gehälter in der Wirtschaftskammer (WKO) weitet sich aus. Nach den stark kritisierten Gagensteigerungen der WKO-Spitze geraten nach einem Bericht der Kronen Zeitung nun auch die fast 700 Fachgruppen unter die Lupe: Auch hier kam es teils zu deutlichen Anhebungen der Bezüge – bis zu 70 Prozent mehr in Einzelfällen.
Ein Plus von 20 Prozent der Präsidentenbezüge
Wie aus den zitierten Unterlagen hervorgeht, können Fachgruppenobleute seit heuer bis zu 2.815 Euro brutto monatlich beziehen. Diese Summe entspricht 20 Prozent der Präsidentenbezüge, die bei maximal 14.075 Euro liegen.
Besonders auffällig: In einer Wiener Fachgruppe wurde das Maximum von 2.815 Euro beschlossen, rückwirkend sogar ab Juli 2025. Viele dieser Beschlüsse wurden in Gremiensitzungen mit knapper Mehrheit gefasst und galten teilweise sofort – während im selben Zug für zahlreiche Unternehmen die Kammerumlagen stiegen.
Kritik von der FPÖ
FPÖ-Wirtschaftssprecher Udo Guggenbichler kritisiert scharf:
Die schwarze Mehrheit denkt nur an sich – von Vorbildwirkung keine Spur.
Er fordert die Rücknahme aller jüngsten Erhöhungen, nicht nur für die Präsidenten, sondern explizit auch für die Funktionäre in den Fach- und Berufsgruppen. Gleichzeitig plädiert Guggenbichler erneut für das Aus der verpflichtenden WKO-Mitgliedschaft.
„Aussetzen“ statt „Zurücknehmen“
Die Wirtschaftskammer rudert zurück. So werden die Erhöhungen für Präsidenten, Vizepräsidenten und Spartenobleute österreichweit vorerst „ausgesetzt“ – ein Begriff, der für die FPÖ Verdacht auf „Trickserei“ weckt: „Warum spricht die Kammer von ,Aussetzen‘?“, fragt Guggenbichler.
Damit könne die Erhöhung verschoben und zu einem späteren Zeitpunkt still eingeführt werden. Die Entscheidung über eine Rücknahme bleibt jedenfalls bei den einzelnen Fachgruppen – unverbindliche Empfehlungen der Kammerzentrale gibt es, verpflichtend ist eine Reduzierung der Entschädigungen nicht.
Parteienfinanzierung über WKO-Zwangsbeiträge
Das alles müssen die Unternehmer mit ihren Zwangsbeiträgen finanzieren. Mehr noch: Ein Teil der Bezüge – rund fünf bis zehn Prozent – fließt als Parteisteuer an die jeweilige Fraktion weiter.
Der Wirtschaftsbund, traditionell ÖVP-dominiert, erhält darüber hinaus Jahr für Jahr eine „Wahlgruppenförderung“ von fix 15 Millionen Euro aus den verpflichtenden Kammerbeiträgen.
Warten auf Rechnungshof
Kritik wird außerdem laut, weil aus den Budgets der Fachgruppen weitere Zahlungen – etwa für Saalmieten oder sogar für den Einzug der Kammerumlage selbst („Einhebungskostenbeitrag“) – an die WKO-Wien überwiesen werden.
Die Wirtschaftsvertretung muss sich also nicht nur mit der politischen Debatte, sondern auch mit einer kommenden Überprüfung durch den Rechnungshof 2025 auseinandersetzen.


