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Isabelle Daniel OE24

Politik-Insiderin Isabelle Daniel greift bei ihren Vermutungen auf anonyme Informanten zurück. Namen werden keine genannt.

19. Mai 2024 / 12:58 Uhr

Isabelle Daniel lieferte Lehrbeispiel, wie Journalismus nicht sein sollte

Journalisten bedienen sich immer mehr anonymer “Insider”, um investigativ wirkende Geschichten zu basteln. Meisterin dieses neuen Genres ist zweifellos Isabelle Daniel von oe24.

FPÖ-Insider berichtet über Ärger

Vergangenen Samstag hatte Frau Daniel wieder eine solche „Sternstunde“, als sie über einen angeblichen Ärger bezüglich des Gehalts von Herbert Kickl in der FPÖ schrieb. Die Oe24-Schreiberin formulierte also:

Nachdem oe24 berichtet hatte, dass Kickl – laut einem FPÖ-Insider mit Einblicken in die früheren Abrechnungen der Blauen – im Wahlkampfjahr 2017 stolze 24.000 Euro im Monat verdient habe, ist auch in Teilen der blauen Welt der Ärger groß.

Mysteriöser “hochrangiger Blauer”

In welchen Teilen der „blauen Welt“, verriet die Journalistin aber nicht. Vielmehr zitierte sie in diesem Artikel dann einen FPÖ-Spitzenfunktionär, der sich im Gespräch mit oe24 „echauffiert“. Dieser wird zwar als „hochrangiger Blauer“ tituliert, doch wer der Mann ist, der Daniel seinen angeblichen Unmut geäußert hatte, hielt die selbsternannte Politik-Insiderin geheim.

Anonyme Vorwürfe lassen sich nicht belegen

Nicht nur das: Um die FPÖ offensichtlich zu diffamieren, wird im Bericht weiter mit anonymen Vorwürfen operiert. So schreibt Daniel:

In der FPÖ kursieren zudem mehrere anonyme Anzeigen, die erhebliche Vorwürfe auch in Bezug auf Finanzgebarungen gegen Herbert Kickl erheben.

Ganz wohl scheint Daniel bei dieser Formulierung selbst nicht zu sein, denn sie fügte hinzu:

Oe24 gibt diese nicht wieder, da sie sich nicht belegen lassen.

Wurden Personen einfach erfunden?

Bei all diesen anonymen „Insidern“ liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den nicht genannten Informanten um Daniel selbst handeln könnte. Oder dass die anonymen Personen einfach erfunden worden sind.

Die Oe24-Schreiberin hat jedenfalls einmal mehr gezeigt, wie Journalismus nicht sein sollte. Der Artikel ist ohne Substrat, ohne Stellungnahme des Betroffenen, strotzt nur so von Vermutungen – ein Publizistik-Professor würde Frau Daniel wohl raten, sich einen anderen Beruf zu suchen. Oder er würde ihr einen Spiegel vorhalten und sie fragen, ob sie es umgekehrt für richtig hielte, wenn jemand über sie Folgendes schreiben würde:

Oe24-Insider berichten hinter vorgehaltener Hand, dass es in der Redaktionssitzung der Zeitung nur darum gehe, eine Geschichte gegen die FPÖ zu finden.

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