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Klein Flottbek ist besonders im Pferdesport über Hamburg hinaus bekannt. Die reichen Bewohner wählen zwar links, wollen selbst aber keine „Flüchtlinge“ in ihrem Bezirk haben.

1. Mai 2024 / 18:40 Uhr

Geliefert wie bestellt: Doch rot-grünes Nobelviertel will keine „Geflüchteten“ bei sich

„Miteinander für eine transparente, antizipierte und zumutbare Unterbringung zur erfolgreichen Integration von Flüchtlingen!“, dafür steht die Hamburger Bürgerinitiative Flottbek.

Aber nicht in Klein Flottbek.

Hamburgs Nobelviertel

Hier wohnen die Reichen und Schönen, im westlichen Hamburger Bezirk Flottbek. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei mehr als 120.000 Euro pro Haushalt und ist unerreicht in der restlichen Hansestadt.

Dort will die Sozialbehörde jetzt eine temporäre Folge-Unterkunft für „Geflüchtete“ einrichten. 144 Personen sollen zwischen Botanischem Garten im Norden und der angrenzenden S-Bahn-Station Wohnraum finden.

Streitbare Rot-grün-Wähler

Das „sorgt im gut betuchten Klein Flottbek für Aufruhr“, wie die linke TAZ berichtet. „Für eine gute Integration sei der Standort leider, leider überhaupt nicht geeignet.“ Es gebe kaum Lebensmittelgeschäfte, und der Busverkehr an der S-Bahn-Haltestelle sei auch sehr gefährlich, so die örtliche Fraktionschefin der FDP, Katharina Blume.

Die FDP hatte im Bezirk bei der Bürgerschaftswahl 2020 10,3 Prozent der Stimmen ergattert, fast so viele wie die CDU mit 13,7 Prozent. Gewonnen haben vor vier Jahren jedoch SPD (35,2 Prozent) und Grüne (27,7) Prozent. Die AfD kam gerade einmal auf 2,7 Prozent, halb so viel wie die Linke (5,7 Prozent). Also ein deutlicher Überhang für jene Parteien, die gerne „Refugees welcome“ rufen.

Bestellt und geliefert

Die Sozialbehörde betont, dass die geplante Unterkunft ein „unverzichtbarer Teil der Schaffung von Kapazitäten“ für die Unterbringung von Asyl- und Schutzsuchenden sei. Der Standort war bereits 2015 und 2016 für eine Flüchtlings-Unterkunft geprüft worden. Und jetzt wird der Platz eben gebraucht.

Entsetzen, pures Entsetzen bei den Flottbekern. 2020 hatte Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion, erklärt, dass sich Hamburg „weiter verantwortungsvoll für eine humanitäre Flüchtlingspolitik einsetzen“ müsse. Auch die Grünen hatten damals erklärt, dass „Hamburg bereit sei, mehr Menschen aufzunehmen“. Aber doch nicht dort, wie sie selbst wohnen!

Heuchelei auf den Punkt gebracht

Also ziehen die betuchten Linkswähler alle Register. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, und 36 Klagen von Anwohnern sind bereits gegen die Flüchtlingsunterkunft eingebracht worden. Es gebe aus ihrer Sicht schlicht geeignetere Standorte.

Die Bürger Flottbeks müssen aber mit Gegenwind rechnen. „So wie alle Hamburger muss auch dort die Nachbarschaft Platz machen für Menschen, die bei uns Schutz suchen“, fordert der Landesvorsitzende des Sozialverbands SoVD, Klaus Wicher.

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