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Surfer auf Tahiti kämpfen für Korallen und Meereslebewesen.

25. Jänner 2024 / 09:23 Uhr

Olympische Spiele Paris 2024: Proteste gehen inmitten des Korallenriff-Dramas auf Tahiti weiter

„Nachhaltige Entwicklung ist nicht nur ein Ziel, sondern liegt in der DNA einer Bewerbung, die alle Athleten und Partner von Paris 2024 einbezieht“, sagte Tony Estanguet, der Co-Vorsitzende der öffentlichen Interessengruppe Paris 2024, im Jahr 2015 auf der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Auf einer Konferenz zum Thema „Nachhaltige Innovation im französischen Sport“ erläuterte er die Ziele der französischen Bewerbung im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. Jetzt, acht Jahre später und mit wenigen Monaten bis zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Paris, stehen die Organisatoren der Spiele Paris 2024 weiterhin in der Kritik, nachdem sie beschlossen haben, einen 5 Millionen Dollar teuren Turm, auf dem die Jury Platz nehmen wird, auf dem Korallenriff von Teahupoo auf Tahiti für das olympische Surfevent zu bauen.

Diese Entscheidung hat in Tahiti Proteste ausgelöst, da Bedenken über mögliche Schäden für Korallen und Meereslebewesen bestehen. Kampagnen in den sozialen Medien, angeführt von dem tahitianischen Big-Wave-Profi-Surfer Matahi Drollet, haben auf digitalen Plattformen wie Instagram und TikTok große Unterstützung gefunden. Die Gründe hierfür sind verständlich:

Teahupo’o, Tahiti, etwa 9.759 Meilen von Paris entfernt, ist als einer der besten Surfspots der Welt bekannt und Austragungsort der World Surf League (WSL) Tour-Wettbewerbe. Aufgrund der vorgelagerten Wellenbrecher von Teahupo’o müssen die Wettkampfrichter in der Lagune positioniert werden. Traditionell wird für diese Wettbewerbe eine Holzkonstruktion errichtet, die später wieder entfernt wird. Für die olympische Veranstaltung planen die Organisatoren jedoch die Installation eines neuen Aluminiumturms, der am Riff befestigt werden soll und für 40 Personen Platz bieten soll, Von dort soll die die Bewertung des Bewerbs aber auch für die Fernsehübertragung des Wettbewerbs in die ganze Welt stattfinden.

Die Ursprünge der Kontroverse: Die ursprünglichen Versprechungen von Paris 2024 und der tahitianische Gegenschlag

Kritiker auf der Insel haben große Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die noch bestehenden Korallenriffe, Fische und andere Meeresbewohner, da die Fundamente des Turms im Meeresboden verankert werden sollen. Französisch-Polynesien verfügt über eine reiche Meeresfauna mit über 1.000 Fisch- und verschiedenen 150 Korallenarten, die alle streng geschützt sind. Diese Befürchtungen haben sich Ende 2023 bestätigt, als während der Testphase eines für den Bau des Turms vorgesehenen Lastkahns in der Surferlagune Korallen beschädigt wurden. Dieser Vorfall veranlasste die örtlichen Behörden zu einem entschlossenen Handeln, indem sie die Bauarbeiten stoppten. Die Dringlichkeit wurde noch verstärkt, als Anfang Dezember während einer erneuten Testbohrung ein weiterer Lastkahn, der für die Installation eines 14 Meter hohen Aluminium-Schiedsrichterturms im Meer vorgesehen war, abermals Schäden an den in Strandnähe lebenden Korallen verursachte.

Die Resonanz und die Dynamik einer Online-Petition, die darauf abzielt, die Bauarbeiten am Riff von Teahupo’o zu stoppen, nimmt zu. Die Initiatoren dieser Petition setzen sich dafür ein, sich der Bewegung anzuschließen und unter dem Hashtag #SaveTeahupoo zu unterschreiben, diese auch zu teilen und die zuständigen Behörden damit zu konfrontieren. Alexandra Dempsey, Korallenriff-Ökologin und Geschäftsführerin der Khaled bin Sultan Living Oceans Foundation, wies auf die potenzielle Bedrohung der Korallenformationen hin, die u.a. dazu beigetragen haben, dass Tahiti ein idealer Ort für professionelles Surfen geworden ist. Parallel dazu hat sich der elfmalige Weltmeister Kelly Slater zu den überarbeiteten Plänen für die Plattform geäußert und behauptet, dass es „keinen Sinn macht, einen so riesigen Turm für eine zweitägige Veranstaltung zu bauen“.

Kompromisse und Anpassungen: Die geplanten Änderungen des Olympischen Komitees und ihre Begründung

Die polynesische Regierung, Paris 2024 und das Haut-Commissariat erklärten in einem Kommuniqué gemeinsam, dass der derzeitige Holzturm nicht verwendet werden kann, da sein Fundament nicht mehr den Sicherheitsnormen entspricht. Eine Reparatur kam auch nicht in Frage, da dies dem Korallenriff auf den Betonblöcken mehr schaden würde als der Bau neuer Fundamente in einem weniger korallenreichen Gebiet.

Daher hat das Olympische Komitee nun beschlossen, den Bau des neuen Aluminiumturms mit einigen Änderungen fortzusetzen. Die Fläche des Turms wird um 25 % kleiner sein als geplant, sodass er die gleiche Größe wie der bestehende Holzturm haben wird. Das Gewicht des neuen Turms wird nun neun Tonnen betragen – anstelle der ursprünglichen 14 Tonnen -, um die Belastung der Fundamente zu verringern, und er wird am gleichen Standort wie der alte Holzturm aufgestellt. Das Komitee hat außerdem festgehalten, dass der Turm in einem Gebiet gebaut wird, in dem weniger Korallen angesiedelt sind und die vorhandenen Korallen sollen umgesiedelt werden, und es werden Stecklinge entnommen, um sicherzustellen, dass sie nachwachsen können.

Anhaltende Proteste: Virale Videos, Kahnkämpfe und öffentlicher Aufschrei

Das Problem scheint jedoch noch lange nicht gelöst zu sein. Nach der Veröffentlichung einer Reihe viraler Videos, in denen ein Lastkahn zu sehen ist, meldeten sich erneut Demonstranten zu Wort und forderten einen Boykott des Neubaus. In den Videos ist klar zu erkennen, wie sich dieses Schiff sich mühsam durch das Korallenriff bewegt, immer wieder steckenbleibt und versucht, sich durch das Aufdrehen der Motoren zu befreien. Das Filmmaterial zeigt auch die durch die Schiffsschraube verursachten Schäden an den Korallen, wobei große Teile der lebhaften Korallen abgeschnitten werden und das weiße Skelett freigelegt wird. Trotz der öffentlichen Kritik wollen die Organisatoren von Paris 2024 an ihrem Plan festhalten und den neuen Turm bis zum Beginn des olympischen Surfevents im Juli fertigstellen.

Von pflanzlichen Fleischalternativen und wiederverwendbaren Wasserflaschen bis hin zu Elektroautos und Online Casinos haben viele andere Branchen hart daran gearbeitet, umweltfreundlichere Alternativen für ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Der Ansatz, den sowohl das Olympische Komitee als auch die polynesische Regierung verfolgen, lässt jedoch vermuten, dass die ökologische Nachhaltigkeit für keine der beiden Parteien eine Priorität darstellt. Die Gefährdung von Ökosystemen und Lebensgrundlagen für nur vier Wettbewerbstage wirft Fragen nach dem echten Umweltengagement der beteiligten Organisationen auf und ist für viele ein Paradebeispiel für Greenwashing. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt, aber eines ist sicher: Die ganze Welt wird dabei genau hinsehen.

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