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Der große Turul-Vogel, Nationalsymbol der Ungarn, wurde inzwischen abgerissen und durch ein ukrainisches Wappen ersetzt.

26. Oktober 2022 / 16:20 Uhr

Transkarpatien: Ukrainer lassen Ungarn-Denkmal niederreißen

Erneut kam es in der westlichsten Region der Ukraine, Transkarpatien, zu einem Eklat: Vor der mittelalterlichen ungarischen Burg Palanok (ungarisch Munkács) hatte das Königreich Ungarn 1896 eine große Statue bauen lassen, die bis heute einen hohen symbolischen Charakter für alle Ungarn hatte. Die Ukraine hat sie nun niederreißen lassen.

Erst abgerissen, dann erneuert, nun wieder abgerissen

Dabei wurde die Statue bereits einmal niedergerissen: Nachdem Transkarpatien 1921 durch das Friedensdiktat von Trianon an das neue Staatskonstrukt „Tschechoslowakei“ zugeschlagen worden war, ließ die tschechische Regierung die Statue 1924 demontieren. Die Rote Armee ließ sie 1945 sogar einschmelzen und einen roten Stern daraus gießen. 2008 wurde sie rekonstruiert und neu aufgestellt. Dies galt als Zeichen der Aussöhnung zwischen Ungarn und der Ukraine. Insbesondere die rund 150.000 ethnischen Ungarn, die immer noch in der Region leben, sahen dies als Zeichen des kulturellen Friedens.

Eine politische Entscheidung

Wie Ungarn Heute berichtet, wurde die Statue jetzt niedergerissen und durch ein ukrainisches Wappen ersetzt. Dass die Ukraine 2008 die Statue noch feierlich gemeinsam mit Ungarn neu eingeweiht hatte und nun, 14 Jahre später, niederriss, kann nur als politische Entscheidung gewertet werden. Die diplomatischen Verhältnisse zwischen Ungarn und der Ukraine gelten als desolat. Die Ukraine bezichtigt Ungarn, Russland im derzeitigen Krieg zu unterstützen, da Ungarn Waffenlieferungen durch sein Staatsgebiet verbietet und weiterhin regen Handel mit Russland betreibt. Ungarn hingegen wirft der Ukraine vor, die ethnischen Ungarn in Transkarpatien massivst zu unterdrücken.

Ukrainischer Botschafter einbestellt

Das Abreißen der Statue löste in Ungarn eine Welle der Empörung aus. In sozialen Medien machte sich der Spruch breit, dass dies „eine Kränkung sei, die man niemals vergessen könne“. Wie die ungarischsprachige BLIKK berichtet, hat der ungarische Außenminister Péter Szíjjártó inzwischen den ukrainischen Botschafter einbestellt, damit dieser Stellung nimmt. Die patriotische Partei Unsere Heimat (Mi Hazánk) deklarierte auf ihrer Internetseite sogar die Ukraine offiziell zum „ungarn-unfreundlichen Staat“.

Statue hatte identitätsstiftenden Charakter

Bei der Statue handelte es sich um einen sogenannten „Turul“-Vogel, den die ur-ungarische Mythologie von den Turkvölkern übernommen hatte. Der Vogel ist für die Ungarn eine Art Nationalheiligtum, denn der Sage nach soll der Turul die Ur-Ungarn im 9. Jahrhundert aus der osteuropäischen Steppe nach Pannonien geführt haben. Ausgerechnet in Transkarpatien haben dabei die Ungarn erstmals das Karpatenbecken betreten. Die Region gehörte bis 1921 durchgehend zu Ungarn. Somit hat die Statue einen großen identitätsstiftenden Charakter für das ungarische Volk. Die Verteidigungsburg Palanok, vor der die Statue stand, wurde im 14. Jahrhundert vom Königreich Ungarn als Reaktion auf den katastrophalen Mongolen-Ansturm gebaut.

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