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Wahlkonfrontationen: Vom Landesstudio zum Ländermatch

4. Oktober 2010 - 11:16

Die Konfrontationen der Spitzenkandidaten zur Wien-Wahl konnten gegensätzlicher kaum sein. Am Vormittag Landesstudio-TV in voller langweiliger Pracht, am Abend dann Ländermatch-Stimmung in der Stadthalle beim Privatsender ATV.

Der farblose Chefredakteur des Wiener Landesstudios, Paul Tesarek, schaffte es am Vormittag nicht, Stimmung in die Runde zu bringen, in der seltsamerweise auch BZÖ-Mann Walter Sonnleitner vertreten war – wohl als Dienst unter Ex-Kollegen, denn das BZÖ ist nicht im Landtag vertreten und war es auch nie. Seltsam daher, dass Tesarek anmerkte, die Chancen auf den „Wiedereinzug“ stünden schlecht.

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Auf dem Programm standen – wie auch abends bei ATV – die altbekannten Themen wie Zuwanderung/Integration, Bildung und Verkehr – was den berichtenden Printmedien erlaubte, einmal mehr die Themenarmut des Wahlkampfs zu beklagen. Spannend wurde es zwischendurch, als HC Strache Bürgermeister Häupl vorwarf, durch die Kadidatenauswahl und vor allem durch Wahlwerbung auf Türkisch und Arabisch Integration zu verhindern. Häupl versuchte zu kontern und behauptete, die FPÖ würde im Gegenzug auf Serbisch inserieren, wofür er jedoch – mangels Existenz – jeden Beleg schuldig blieb.

ORF-Filme als plumpe SPÖ-Propaganda

Störend waren nur die Einspielfilme aus ORF-Produktion, die allesamt die SPÖ-Positionen rechtfertigten. Besonders krass in der Frage der Neuen Mittelschule, wo eine Schule in der Kandlgasse in Wien-Neubau als Positiv-Beispiel herhalten musste. Dass in dem ausländerarmen Grün-Bezirk die von der FPÖ befürchtete Nivellierung nach unten nicht in der Form eintritt wie etwa in Rudolfsheim-Fünfhaus oder in der Brigittenau, war zu erwarten.

BildWesentlich härter ging es am Abend bei ATV zur Sache, wo HC Strache dem Bürgermeister vorwarf, die Defizite in der Bildungspolitik schön zu reden und „in Weinseligkeit zu ertränken“. Obwohl man Häupl die Uhrzeit schon ansah und er zwischendurch recht abwesend wirkte, wollte Presse-Redakteur Rainer Nowak in der Analyse nicht wissen, was Strache damit gemeint haben könnte… Häupl reagierte beleidigt mir diffusen Anspielungen auf Straches „Konsumgewohnheiten“. Politikexperte Hofer feierte dieses Duell als emotionalen Höhepunkt der Diskussion. Die wahren Emotionen kamen jedoch aus dem Publikum, das sich aus Unterstützern aller vier Fraktionen zusammensetzte. Ländermatch-Stimmung konstatierten die beiden Experten.

Häupl durch antisemitische Austritte bei Demo in die Enge getrieben

Die Moderation hob sich wohltuend von der schläfrigen Art des ORF-Wien-Chefredakteurs ab. Unter den vereinzelten Untergriffen hatte meist Strache zu leiden: Bei der Bildungspolitik wollte man ihn gar nicht zu Wort kommen lassen, ehe er mit dem Verlassen der Runde drohte. Und die Widerlegung einer seltsamen Kriminalitätsstatistik brachte die Regie zu Fall, indem das Mikrofon des FPÖ-Kandidaten plötzlich merklich leiser gedreht wurde. Doch auch Häupl bekam sein Fett ab, indem die antisemitischen Ausritte bei einer Gaza-Unterstützungsdemo gezeigt wurden, die vom SPÖ-Gemeinderat al-Rawi mitorganisiert worden war.

Die Enttäuschung beider Diskussionen war jedenfalls der regierende Bürgermeister: Häupl ging auf die unterschiedlichen inhaltlichen Argumente und Kritikpunkte schlicht nicht ein und versuchte, sie mit mehr oder weniger matten Schmähs vom Tisch zu wischen. Damit vermittelte er das Bild eines alternden Patriarchen, der längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Dass ihm die Islamismus-Problematik weiterhin völlig „wurscht“ ist, bewies er mit einem völlig hanebüchenen Vergleich zwischen islamischen Zentren und griechischen Restaurants.

Abstimmung: wer hat am besten abgeschnitten?

Auf der Webseite der Tageszeitung Österreich läuft derzeit eine Abstimmung, wer im Fernsehen am besten abgeschnitten hat. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Strache und Häupl ab.

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