Mit sichtbarer Erleichterung begrüßt die Kronen Zeitung heute, Donnerstag, die angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Chefredakteur Klaus Herrmann spricht von einer spürbaren Entlastung für die Bevölkerung. Doch bei genauer Betrachtung bleibt von diesem Optimismus wenig übrig.
Kommentar von Walter Asperl
Regierung schweigt – Krone weiß es schon?
Zunächst fällt auf: Die Bundesregierung hat bisher nicht bekanntgegeben, welche konkreten Lebensmittel überhaupt unter die Steuersenkung fallen sollen. Dennoch präsentiert die Kronen Zeitung bereits detaillierte Rechenbeispiele mit Brot, Butter, Milch und Eiern. Woher dieses Wissen stammt, bleibt offen. Fakt ist: Solange keine offizielle Liste vorliegt, handelt es sich um Spekulation – oder um politisch gewünschte Interpretation.
Entlastung erst ab Juli – ein halbes Jahr später
Der zweite Punkt wird in der Euphorie gerne übersehen: Die Senkung soll erst mit 1. Juli in Kraft treten. Das bedeutet, dass die angebliche Entlastung frühestens in einem halben Jahr bei den Menschen ankommt – sofern sie überhaupt vollständig weitergegeben wird. Für das Jahr 2026 bedeutet das de facto nur eine halbe Jahreswirkung.
Rechnen mit Wunschpreisen
Besonders problematisch sind jedoch die präsentierten Preisbeispiele. Wer regelmäßig einkaufen geht und Preise vergleicht, weiß: Die von der Kronen Zeitung herangezogenen Ausgangspreise liegen deutlich über dem, was viele Österreicher tatsächlich bezahlen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier mit bewusst höheren Preisen gerechnet wurde, um die Entlastung größer erscheinen zu lassen, als sie real ist.
Die von uns dargestellte Gegenrechnung – auf Basis aktuell gängiger Preise im günstigen Lebensmittel-Einzelhandel – zeigt ein völlig anderes Bild: Knapp die Hälfte der von der Kronen Zeitung behaupteten Jahres-Ersparnis bleibt übrig.

Am Ende bleiben neun Euro
Rechnet man alles zusammen, ergibt sich ein ernüchterndes Fazit: Da die Senkung erst zur Jahresmitte greift, liegt die reale Entlastung für 2026 bei rund neun Euro pro Person. Neun Euro für ein ganzes Jahr – das ist weniger als eine einfache Jause oder ein Kaffeehausbesuch.
Man darf Ironie zulassen: Diese „großartige“ Maßnahme wird weder die Teuerung bremsen, noch den Menschen spürbar helfen. Sie produziert vor allem eines – gute Schlagzeilen für eine Bundesregierung, die echte strukturelle Entlastungen weiterhin schuldig bleibt.


