In seiner Neujahrs-Ansprache bleibt der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn ziemlich nichtssagend. Er wünsche sich, dass wieder eine Zeit der Gottsuche kommt, erklärte Schönborn und erzählte dazu eine Geschichte von einem Rabbi, der feststellt, Gott habe sich versteckt und wir würden ihn nicht suchen.
An diesem Versteckspiel hat freilich der Kardinal auch selbst Anteil. Durch die Unterwerfung unter den aktuell vorherrschenden Zeitgeist setzt die Kirche selbst wenige Impulse, die Suchenden gerade in die Gotteshäuser zu locken. Was die hohen Würdenträger sagen, hört man schließlich auch anderswo häufig. So verkündete jüngst auch Schönborn, dass Nationalismus eine "Perversion" sei, die aus "Angst" hervorgehe. In seinem "Talk im Figlhaus" mit dem Grünen Alexander Van der Bellen stellte der Kardinal die Existenz von Nationen in Frage, widersprach sich einige Male selbst und projizierte die Sorgen der schwächelnden, zerfallenden Kirche auf die österreichische Bevölkerung.